Die Theoretischen Grundkagen

Das Gebäude ist ein Lebensraum! Mit diesem strahlenden Bild definiert der Architekt Gonçalo Byrne die Orte, in denen wir leben.

Beginnen wir bei den Sinnen!

Auf diese Weise ist es möglich, die Komplexität zu verstehen, die notwendig ist, um ein Gehäuse zu schaffen, welches seine Bewohner regenerieren kann; diese Komplexität der Gestaltung unter Berücksichtigung der Beziehung zwischen dem menschlichen Körper, seinen Wahrnehmungen und der engen Umgebung, die ihn umgibt.

Heute wird das Wort „Green Building“ meist mit energieeffizienten Häusern oder Gebäuden assoziiert, die theoretisch gesunde Materialien verwenden, als ob dies ausreichen könnte, um unser sensorisches System zu befriedigen und uns Wohlbefinden zu bringen.

Nur wenn wir aus dem Sinnesapparat planen, können wir Gebäude schaffen, die wirklich in der Lage sind, diejenigen zu regenerieren, die darin leben. Der Sinnesapparat ist eine aktive Schnittstelle zwischen uns und der Außenwelt, welcher in der Lage ist unseren Zustand des psychophysischen Gleichgewichts zu bestimmen.

Wir verbringen durchschnittlich 65/70% unseres Lebens in Innenräumen, was – aufgeteilt zwischen Haus und Arbeit – mehr als 50 Jahren entspricht!

Wir leiden passiv unter dem negativen Einfluss von Gebäuden, die ohne Berücksichtigung der tatsächlichen Bedürfnisse des menschlichen Körpers entworfen wurden. Der Körper ist eine wunderbare thermodynamische „Maschine“, die kontinuierlich nach der sogenannten Homöostase, dem Gleichgewicht zwischen Körper und Geist, sucht.

Das menschliche Gehirn, mit seinen 100 Milliarden Neuronen, die jeweils mit mehr als 10000 benachbarten Zellen verbunden sind, lebt von elektrochemischer Energie, der wertvollsten Energieform und die Basis unserer Existenz.

Energie, mit der wir uns beschäftigen müssen, wenn wir einen Ort entwerfen, an dem wir für den Rest unseres Lebens leben werden. Um ein Beispiel zu nennen, man bedenke, dass unser Gehirn im Durchschnitt fast 83% der Informationen über die Augen wahrnimmt; das verdeutlicht, wie wichtig es ist bei der Planung das empfindliche Gleichgewicht zwischen natürlichem und künstlichem Licht zu kennen und zu beachten.

Die Sinne sind somit der Schlüssel zur Innovation der für die Bauindustrie verfügbaren Technologien.

Stress und Homöostase

Enzo Soresi schreibt in seinem Buch „Il Cervello Anarchico“: „Die Weltgesundheitsorganisation hat Stress als die Geißel der westlichen Welt definiert…. Stress ist ein unbewusstes Phänomen der Anpassung des Menschen an Veränderungen in der Umgebung, in der er lebt und von der sein Überleben abhängt. 

Der Zustand von Anspannung, Unwohlsein und Krankheiten sind Folgen, die der Mensch trägt, wenn seine Anpassung an den Übergang von der Homöostase zur Allostase unzureichend ist.

Homöostase: natürliche Tendenz, das chemisch-physische Gleichgewicht des Körpers zu erreichen.

Allostase: Fähigkeit, das Gleichgewicht der physiologischen Systeme durch Veränderungen aufrechtzuerhalten, kurzfristig mit adaptiven Ergebnissen oder langfristig in denen Chronifizierung zu Krankheiten führt“.

Wir sind der Ansicht, dass 50 % deder Fehlzeiten  auf Stress am Arbeitsplatz zurückzufuhren sind, und der von der Europäischen Union geschätzte Produktivitätsverlust, beträgt mehr als 26 Milliarden Euro, ohne dabei die sozialen Kosten des Gesundheitssystems zu berücksichtigen.

Der Stress, eine Wahrnehmungsüberlastung mit Veränderungen im Körper-Geist Gleichgewicht, ist der Tyrann unserer Zeit

Der Zweck von Biosphera

VON DER WAHRNEHMUNG ZUR BEFRIEDIGUNG DER SINNE

Laut Roberto Messana, einem der Theoretiker der Strahlungsarchitektur: „Unser Körper ist wahrscheinlich die wertvollste Form der Energie im Universum. Deswegen erzeugt das Verständnis, wie er funktioniert, und die Möglichkeit ihn zum Ausdruck bringen zu lassen, eine Art von Effizienz die sich in Gesundheit, Lebensqualität, Produktivität und Wohlbefinden ausdrückt, was unbezahlbar ist.“

Dies ist das Ziel des Projekts Biosphera: einen Lebensraum herzustellen und – in Zusammenarbeit mit Instituten und Forschungseinrichtungen – technologische Lösungen zu testen um Bedingungen zu schaffen, unter denen der menschliche Körper seine Sinne befriedigen und echten Lebenskomfort finden kann.

Biologen, Psychologen, Architekten, Ingenieure, Botaniker, Kreative, Lichttechniker, Neurowissenschaftler, Künstler, Handwerker und Visionäre: ein Team, das geschaffen wurde, um Antworten in einem Sektor zu finden, dem der Bauwirtschaft in Europa, die ihren Immobilienbestand in den nächsten dreißig Jahren vollständig erneuern sollte. Das ist eine riesige Aufgabe, wofür neue Paradigmen geschaffen werden müssen.

Leidenschaft für Forschung, fürs Experimentieren, für die Genre-Kontamination und für die eigene Arbeit waren die treibenden Kräfte hinter diesem Projekt, das sein drittes und ambitioniertestes Gebäude erreicht hat.

Das Ziel bleibt: den Menschen zurück in dem Mittelpunkt des Gebäudes zu stellen und ihn als Kernstück eines jeden Projektes zu betrachten. Dabei wird jede erdenkliche Lösung gesucht, damit die 50 Jahre, die in Gebäuden verbracht werden, zu gleichem Wohlbefinden führen, wie das Leben in der Natur: die Regeneration.

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